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Jahresprogramm 2019


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gespräche
2019


Mit freundlicher Unterstützung von:

   

Steiermark

BKA

Prennings Garten

KulturPension in Prenning
Landhaus Feuerlöscher
Übelbacherstrasse 161
8121 Deutschfeistritz - Austria

Information unter Tel. +43-664 - 411 36 68
www.prenningergespraeche.at
prenninger.gespraeche@gmx.net
www.prenningsgarten.at

Anfahrtsplan



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gespräche
2019


Liebe Freunde des KulturPension Prenning’s Garten, wir freuen uns, Ihnen/Euch folgende Veranstaltung anzukündigen: Einladung zur Eröffnung der Ausstellung "Skulpturen im Exil" in Prennings Garten, Übelbacherstrasse 161, 8121 Deutschfeistritz am Samstag, den 7.9.2019, 17 h Veranstalter: prenninger gespräche in Kooperation mit Steirischem Herbst 2019

Skulpturen im Exil Prennings Garten beherbergt die Kulturpension Prenning und das historische Landhaus Feuerlöscher. Dieses erlangte den symbolischen Namen „Haus des Widerstands“, da es in der Zeit des Austrofaschismus und des Nationalsozialismus eine Gruppe von Intellektuellen und Künstlern beherbergte, die im zivilen Widerstand gegen das herrschende Regime standen. Seit 10 Jahren widmet sich der Verein Prenninger Gespräche der Erinnerungskultur. Im Rahmen des Steirischen Herbstes wird 2019 eine Ausstellung Skulpturen im Exil eingerichtet, die Kunstwerke zeigt, die keinen festen Platz am Ort ihrer Entstehung fanden. In dem derzeit aus der 10 Stationen bestehende Parcours durch das Freigelände erzählen die Skulpturen eine Geschichte, die auf ihre Hervorbringung und ihre Dislozierung verweist.

Ablauf:
Ab 16:30 h Eintreffen der Besucher und Getränk
17 h Begrüßung mit Performance: Aufrichtung der Göttin der Demokratie, anschließend Rundgang zu 10 Stationen

 

Kuratoren: Eugen Gross, Günter Eisenhut, Emil Gruber Teilnehmende Künstler: Eva und Gerhard Pichler, Joachim Baur, Bazon Brock, Ernst Logar, Josef Schützenhöfer, Ed Gfrerer, Richard Kriesche, Künstlergruppe Herbert Eichholzer, Walter Ritter, Anna – Lülja Praun (posthum), Prenninger Kreis

Kooperationsprojekt mit Steirischer Kulturinitiative Sponsoren für Flucht-Treppe: Forstbetrieb Liechtenstein, Übelbach-Neuhof; Holzindustrie Zechner, Deutschfeistritz

Dank für die Überlassung der Leihgabe des Liberation Marker von Josef Schützenhöfer durch das Stieglerhaus in St. Stefan ob Stainz

 

Rahmenprogramm zur Ausstellung:

Künstlergespräch: Sonntag, 13.10.2019, 16 h

Kuratorenführungen: Freitag, 13.09.2019, Freitag 20.09.2019, Freitag 27.09.2019, jeweils 17 h

Programmübersicht Steirischer Herbst, Guidebook 2019

Erreichbarkeit: PKW über A 9, Abfahrt Übelbach, ÖBB über Peggau-Deutschfeistritz, Umsteigestation, Weiterfahrt nach Übelbach, Ausstieg Station Prenning Parkgelände für Rollstuhlfahrer eingeschränkt befahrbar (befestigter Weg, Wiese), gutes Schuhwerk empfohlen Parkplätze vorhanden

Öffnungszeiten:
nach tel. Vereinbarung unter 0664 4113668

 

prenninger gespräche
in Prennings Garten

Skulpturen im Exil
Prennings Garten beherbergt die Kulturpension Prenning und das historische Landhaus Feuerlöscher. Dieses erlangte den symbolischen Namen „Haus des Widerstands“, da es in der Zeit des Austrofaschismus und des Nationalsozialismus eine Gruppe von Intellektuellen und Künstlern beherbergte, die im zivilen Widerstand gegen das herrschende Regime standen.
Seit 10 Jahren widmet sich der Verein Prenninger Gespräche der Erinnerungskultur. Im Rahmen des Steirischen Herbstes wird 2019 eine Ausstellung Skulpturen im Exil eingerichtet, die Kunstwerke zeigt, die keinen festen Platz am Ort ihrer Entstehung fanden. In dem derzeit aus der 10 Stationen bestehende Parcours durch das Freigelände erzählen die Skulpturen eine Geschichte, die auf ihre Hervorbringung und ihre Dislozierung verweist.

Station 1: zweintopf
Länger Atem
Am Tian’anmen-Platz, dem Platz des himmlischen Friedens in Peking, errichteten Studenten 1989 aus leichten Materialien die Goettin der Demokratie. Die Demonstration wurde vom kommunistischen System blutig niedergeschlagen und die Statue zerstört. Zweintopf denkt die Idee dieser Skulptur weiter und lässt sie im Skulpturengarten wiedererstehen: Demokratie als fragile Hülle, die gemeinsam und unermüdlich aufrechterhalten werden muss.
In China ist es verboten, die Erinnerung an die gewaltfreie Bürgerbewegung als Bekenntnis zur Demokratie zu bewahren. Im Gegensatz dazu werden die Besucher des Parcours eingeladen, an der Aufrichtung der pneumatischen Skulptur mitzuwirken. Diese Performance steht am Anfang der Begehung des Parcours, der als symbolische Aktion zur Stärkung des zivilen Widerstandes anzusehen ist.

Station 2: Joachim Baur
RETURN - Gold der Erde zurückgeben
Im Jahr 2013 gestaltete Joachim Baur eine Aktion, mit der er an die Opfer der Konzentrationslager in der NS- Zeit erinnern wollte. Als Sühne gab er symbolisch das Zahngold, das Insassen herausgebrochen wurde und möglicherweise im zirkulierenden Gold recycelt ist, als geschmolzenes Nugget der Erde zurück. Eine Stele markiert den dazugehörigen Ort.
Der Künstler, der als Goldschmied mit der Verarbeitung von Gold vertraut ist, hinterfragt mit seiner dokumentierten Aktion die Bedeutung von Wertigkeiten, die einerseits als Garantien von Sicherheiten aufgefasst werden, zugleich aber auf das Kritische und Tragische der Gewinnung, Nutzung und historischen Pervertierung verweisen.

Station 3: Bazon Brock
DENKEREI hinterlässt Spuren
Bazon Brock`s Gedankenwelt kreist um das Verhältnis von Spiritualität und Rationalität. Seine seit 8 Jahren in Berlin eingerichtete Denkerei, ein Ort des kulturellen Aufbruchs, wurde im April 2019 geschlossen. Seitdem ist sie eine mobile Kultureinrichtung, die durch Bazon Brock in Prenning einen persönlichen Fußabdruck hinterlassen hat und zum Steirischen Herbst zum Diskurs einlädt.
Die DENKEREI fasst sich als interdisziplinäre Plattform engagierter Menschen auf, die auf die Zukunft gerichtet zu radikalem Denken neuer Möglichkeiten der Erkenntnisgewinnung und alternativer Praxis bereit sind. Das „Haus des Widerstands“ ist ein geeigneter Ort dafür.

Station 4: Joachim Baur
BRUNNEN - Meeresrauschen und Hirnbrennen
Die Ähnlichkeit der Wörter „Brunnen“ und „brennen“ veranlasste den Künstler zu einer phonetischen Arbeit, in der Rauschen aus der Tiefe mit einer die Natur überwindenden Energiegewinnung durch Wasser und Feuer zusammengedacht wird. Örtliche Bezüge zum einst lebenspendenden Übelbach sind gegeben, aber auch zur Courage der Unterstützung des zivilen Widerstands.
Der Künstler versteht seine Arbeit als Überwindung der Natur – nach dem alten Term „natura naturam vincit“ im Sinne einer symbolischen Erhebung des „Geschaffenen“ – Natur als Wirkung – über dem „Gewordenen“ – Natur als Gesetz. Dieses Potential wurde als Energiequelle seit jeher in Prenning genutzt und soll heute wieder eine soziale Funktion erhalten.

Station 5: Ernst Logar
DENKMAL für meinen widerständigen Großvater
Dem kurz vor Beendigung des 2. Weltkriegs in Graz wegen Hochverrats erschossenen Großvater und seinen Leidensgenossen hat der Künstler ein fahrbares Denkmal gewidmet, das in Prenning ein temporäres Exil erhält. Mit diesem hat er 2014 in einer künstlerischen Aktion „Ort der Unruhe“ vor der Wiener Rossauerkaserne demonstriert, konnte aber für das Denkmal bis heute keinen dauernden Präsentationsort finden.
Das Denkmal ist allen Widerstandskämpfern gewidmet, die in nationalsozialistischer Zeit ihrem Gewissen folgend einen Akt als Zeugnis gegen das diktatorische Regime gesetzt haben.

Station 6: Josef Schützenhöfer
Liberation Marker
Der Künstler bemühte sich erfolglos, am Kriegerdenkmal in Pöllau, Oststeiermark, eine Inschrift für die im 2. Weltkrieg in der Oststeiermark zu Tode gekommenen amerikanischen Flieger, die an der Befreiung Österreichs vom Nationalsozialismus mitwirkten, anzubringen. Nach Aufstellung einer Erinnerungsskulptur im Pöllauer Schlosspark wurde diese mehrmals beschädigt und wird jetzt in Prenning mit Unterstützung der Steirischen Kulturinitiative gezeigt.
Die einem Flugzeugflügel nachgebildete Skulptur legt Zeugnis ab für die namentlich genannten 15 Besatzungsmitglieder des Flugzeuges, die auch am World War II Memorial in Washington, vom österreichischen Architekten Friedrich St. Florian geplant, gezeigt werden.

Station 7: Ed Gfrerer
Flucht-Stiege
Die Skulptur verbindet die Erinnerung an die zur Flucht veranlassten Mitglieder des Prenninger Kreises 1938 mit dem Abbruch der Fluchtstiege des Studentenhochhauses am Hafnerriegel, die als Zeitzeugnis der Sechzigerjahre der erste Sichtbetonbau, von der WEREKGRUPPE GRAZ errichtet, in Graz war. Fluchtorte waren Triest, Berlin, Sofia, Paris, Istanbul, Zürich, Rio de Janeiro, Los Angeles.
Die Fluchtreppe von ehemals 50 m Höhe wird in horizontaler Weise von ca. 20 m Länge in Holz errichtet, wobei der Rhythmus der Treppenpodeste den Takt vorgibt. Die Skulptur verweist in ihrer sägerauhen Ausführung auf das „brutalistische“ Stilmerkmal der einstigen Treppe.

Station 8: Richard Kriesche
Auf Augenhöhe mit Maria
Der Künstler errichtete im Jahr der Europäischen Kulturhauptstadt Graz 2003 am Eisernen Tor einen verglasten Lift bis zur Höhe der auf einer Säule stehenden Maria. Mit diesem wollte er beim Aufstieg den BesucherInnen die Möglichkeit bieten, eine besondere Erfahrung zu haben, die einst nur dem Außergewöhnlichen zugedacht war. Der Lift wurde abgetragen und von der Stadt Hartberg erworben, wo er im ÖKO- Park einen Standort gefunden hat. Eine im Eigentum des Künstlers verbliebene Tafel verweist auf die Bedeutung des Projektes.
Seine Stellung im Ökopark drückt das Konzept der Nachhaltigkeit aus, das im Besonderen Peter Sellers bei seiner Eröffnungsrede der Salzburger Festspiele als zentrale Aufgabe zur Erhaltung des Ökosysteme unserer von Klimawandel gekennzeichneten Welt gefordert hat.

Station 10: Herbert Eichholzer, Ernst Ritter, Anna-Lülja Praun –
KLUMP
Die Kulturpension Prenning ladet zur Besichtigung einer Sammlung von Holzspielzeug ein, das erstmals 1935 im Grazer Kunstgewerbemuseum gezeigt wurde. Ungewöhnlich ist, dass KünstlerInnen sich damals mit dem Entwurf von „Gutem Spielzeug“ befasst haben, das völlig vom Markt verschwunden ist. Es ist beabsichtigt, die im Privatbesitz befindliche originale Serie wieder aufzulegen.
Herbert Eichholzer hat als Architekt die Figuren entworfen, um bereits bei Kindern den Umgang mit klaren Formen zu entwickeln. Walter Ritter als Bildhauer hat den Figuren plastische Gestalt gegeben und Anna Lülja- Praun war für die farbliche Gestaltung verantwortlich.

Station 9: Prenninger Kreis
Mitglieder
Das Anwesen der Familie Feuerlöscher war in der Zwischenkriegs- und später nationalsozialistischen Zeit Treffpunkt des Prenninger Kreises und wurde eine Fluchtinsel für widerständige Kulturschaffende, die verfolgt, mit Publikationsverbot belegt und zur Emigration gezwungen, inhaftiert oder hingerichtet wurden. In Portraits und Biografien werden die Mitglieder gewürdigt. Die Prenninger Gespräche thematisieren die Auseinandersetzung mit dem zivilen Widerstand durch Ausstellungen, Publikationen und künstlerischer Aktivitäten.
In einer Reihe von Veranstaltungen, die der Erinnerungskultur gewidmet sind, wird der „Prenninger Kreis“ gewürdigt, der für den Ort den Titel „Haus des Widerstands“ rechtfertigt.

 

Eugen Gross
Graz, 10.06.2019